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Ihren gewünschten Artikel finden Sie hier: Aichinger terradigitalis.net | das kritische Online-Magazin für KommunikationWeitere Suchwörter: Informationszeitalters | Wittkewitz | Aichinger | Wissen | Macht | CeBIT | Gefahren der Informationsgesellschaft | Newest Economies | Security | Digitals Rights Management | Multimedia Home | Economy | Wissensmanagement | virtuelle Arbeitsplätze | shared desks | Informationsaustausch | vernetzte Verteilung | Diskussionsforen | Mails.collaborative work | Softwaregeneration | digitalisierte Welten | Informationslogistik | Prozesswissens | Aichinger terradigitalis.net | das kritische Online-Magazin für KommunikationNoch vor einigen Jahrzehnten konnte die abendländische Kultur ihren Reichtum durch Feldarbeit und die industrielle Produktion im vollen Umfang sichern. Geschlossene Zechen und verlassene Bauernhöfe in ganz Europa sind die Fragmente dieser fast vergangenen Zeit. Einige unbeugsame Dörfer der Ewiggestrigen halten noch stand gegen die imperiale Übermacht des Informationszeitalters. Wie mächtig das Wissen in dieser neuen Zeit ist, ließ sich in den letzten Jahren an den Milliarden Wertabschreibungen ablesen, die unter Aufbietung aller Datensilos erzielt wurden. Früher nannte man das noch Bauherrenmodell. In der steten Wiederholung mittelalterlich anmutender Predigten wurden ganze Völker und Großkonzerne an den Rand des finanziellen Ruins getrieben. Verheißungen sollten griffbereit für jedermann am Straßenrand herumlungern und sich einem Waldkobold gleich fest im Nacken der Volkswirtschaft verankern. Nun werden die Würgemale fassungslos bestaunt. Das Internet muss Schuld sein. Wer sonst? Am Ende gar die Information selbst? Die Realität ist wieder als unhintergehbare Referenz in den Stand der allwissenden Expertin gehoben worden. Und der Katzenjammer wird schnell als "Konjunkturdelle" verniedlicht. Die Besserwisser und Bedenkenträger der letzten Jahre warten sehnsüchtig auf ihre Orden und Beförderungen. Wer die CeBIT in Hannover besucht hat, der wird sich verwundert die Augen reiben. Die Hinweise auf die Gefahren der Informationsgesellschaft verpufften im romantischen Teeniefieber der Newest Economies namens Security, Digitals Rights Management und Multimedia Home. Economy ist übrigens angesichts der KGV (koordinierte Geld-Vernichtungsrate) ein sehr liberaler Euphemismus. Ein Lernprozess tritt sehr langsam ein. Die uralte Bauernregel scheint sich zu bewahrheiten: Wenn drei Personen ein Feld bestellen, ist die Ernte schneller eingefahren, als wenn es einer allein tut. Wenn keiner die Ernte einfährt, dann haben wir die altbekannte neue Ökonomie vor Augen. Die Geburt des Wissensmanagements Es war eine notwendige Einrichtung, die die Unternehmensnetzwerke zum Informationsaustausch nutzten. Bis dato waren nur Daten Objekte der vernetzten Verteilung gewesen. Jetzt wurden Diskussionsforen und Mails zur Koordination der Arbeit eingesetzt. Wenn man dann in verteilter Umgebung - lokal getrennt - am selben Thema arbeitet, hat man schon "collaborative work". Und damit sind wir wieder bei aktuellen Trends der Jünger der heiligen Information. Dort gibt es das neueste Neu: Zusammenarbeit oder "Collaborative" ist eines der Schlagwörter der allerneuesten Softwaregeneration. Früher hat man ja noch in astraler Einsamkeit gearbeitet. Innerhalb von Portalen - unternehmensinternen Startseiten für den Büro-Browser - kann man mit der richtigen Middleware auf alle Datenquellen eines oder mehrerer Unternehmen zugreifen. Die Aktienkurse in Tokio stehen neben dem Auftragseingang für die Region Südbaden, und das Autorenprofil des interessanten Artikels über Patente führt uns direkt zum Zimmernachbarn, der immer so laut telefoniert. Aichinger terradigitalis.net | das kritische Online-Magazin für KommunikationDigitalisierte Welten Einige Firmen haben diese Techniken ganz neu erfunden und nennen sie schlicht Informationslogistik - in klarer Missachtung der zumeist sehr unpassenden linearen Modelle der Logistik. Deshalb entbehren sie auch meist des Prozesswissens und sind daher ähnlich sinnvoll wie Regensensoren. Angesichts der historischen und vor allem organisatorisch-strukturellen Bedeutung von Wissensmanagement sind diese Maßnahmen eine kreative Neuerfindung des ewig alten Drangs nach Delegation der eigenen Probleme in die Außenwelt namens Projektion. Wenn die Poststelle Leute entlässt, die nicht mehr die Briefe nach Abteilung und Mitarbeiter sortieren müssen, dann mag das aus Sicht des Betriebsrats fragwürdig sein. Kollaborativ ist es jedenfalls nicht. Was es mit Wissen zu tun hat, erschließt sich auch nicht so recht. Hat doch schon das Mittelalter gewusst, dass der Gegenstand des Wissens nichts mit dem Wissen selbst zu tun hat, wie der Urvater der modernen Logik scharfsinnig erkannte (William of Occham: Opera philosophica et theologica). Da helfen auch nicht die wissenschaftlich ungetrübten Klärungen, dass Wissen Information im Kontext sei, welche auf Daten beruht. Der Gegenstand des Wissens hat nichts mit dem Wissen zu tun Die großen Firmen wollen das Wissen ihrer Mitarbeiter genauso pflegen, wie der Bauer seine Kuh vor hundert Jahren. Da ist dann weniger die Farbe des Melkschemels gefragt, als die Akzeptanz der Kuh gegenüber dem Melkenden. Wenn sich die Mitarbeiter gegenseitig helfen können, weil sie endlich wissen und sehen dürfen, was die Anderen in der Filiale XY so alles machen, dann melken sich die Kühe gegenseitig. Und das wäre eine wirkliche Innovation. Das Gerede von Künstlicher Intelligenz und Überwachung hat da weniger Relevanz im Alltagsgeschäft als die Bewältigung einfacher Wissenslücken mit Hilfe von Kollegen. Dass Daten geschützt werden müssen, ist offenbar. Noch besser wäre es, wenn die Mitarbeiter weder Pornoseiten noch gecrackte Versionen eines Büroprogramms in der Mittagspause downloaden. Dummheit kann man nämlich auch ohne Knowledge Management erkennen. Wie heißt noch das schöne Motto des Autors aus der eloquenten Feder von Ilse Aichinger: "Niemand kann von mir verlangen, dass ich Zusammenhänge herstelle, solange sie vermeidbar sind." |