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Abo-Dienst terradigitalis.net - Buchrezension: Janko Röttgers "Mix, Burn, R.I.P. - Das Ende der Musikindustrie"


Ebenso gut wie "Das Ende der Musikindustrie" hätte der Untertitel "die Geschichte der verpassten Chancen" zu diesem Buch gepasst. Denn genau diese Geschichte zeichnet der Autor Janko Röttgers hier nach. Von den Anfängen der Napster-Tauschbörse, dem Engagement von Bertelsmann, den kurzlebigen

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en für Online-Musik bis hin zu den aktuellsten Versuchen, die digitale Verbreitung von Musik in Tauschbörsen mit juristischen Mitteln zu stoppen. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Unvereinbarkeit von einer liberalen Netzkultur mit den Strukturen eines schwerfälligen Giganten namens "Musikindustrie" durch das Buch.

In keiner Weise bezweifelt Röttgers, dass das Internet Schuld bzw. Mitschuld an rückläufigen Umsatzzahlen im Musikgeschäft trägt. Er geht sogar so weit zu sagen, dass die Musikindustrie das Internet nicht überleben wird. Zumindest nicht in ihrer heutigen Form. Statt in den Chor derer einzustimmen, die diesen Untergang bejammern, sieht Röttgers genau hier eine Chance. Eine Chance für die Neuerfindung einer Branche und eine Chance für Künstler durch das Internet neue Hörer zu erreichen.

Doch der Weg ist steinig: Zu viele Interessengruppen und Lobbys stehen im Konflikt zueinander. Beim Lesen kann man sich dem Eindruck nicht erwehren, dass scheinbar jede Erfolgs versprechende Idee, Musik über das Netz - auch kostenpflichtig - zu vertreiben, von einer dieser Interessengruppen torpediert wurde. Gestützt durch ein geltendes Urheberrecht, das nicht mehr in die Zeit von Digitalisierung und World Wide Web passen will. So manches Mal kann der Leser ein Schmunzeln kaum unterdrücken.

Das Ende der Musikindustrie ist allerdings keineswegs mit dem Ende der Musik gleichzusetzen. Ganz im Gegenteil. Gerade für den Künstler sieht der Autor in der digitalen Aufbruchsstimmung die Chance. Es ist die Industrie, die zum scheitern verdammt ist. Der Künstler hat am Verkauf seiner Produktionen auch bisher kaum etwas verdient. Ein beeindruckendes Rechenbeispiel anhand von Vertragsstandards der Major-Labels macht dies klar.

Zum Abschluss lässt Röttgers noch zahlreiche Protagonisten der Musikindustrie und der Netzkultur zu Wort kommen, unter anderem Gerd Gebhardt, Vorsitzender des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, die Experimental-Band Negativland, bekannt durch ihre zahlreichen Copyright-Verletzungen oder Ted Cohen, Vizepräsident für Neue Medien der EMI. Auffallend an den Interviews ist, dass alle der Befragten äußerst positiv in die Zukunft der Musikdistribution via Internet schauen. Da fragt man sich, wer denn eigentlich jammert?!

Insgesamt ist "Mix, Burn, R.I.P. - Das Ende der Musikindustrie" ein hervorragend recherchiertes und spannendes Werk, empfehlenswert für jeden mit auch nur dem kleinsten Interesse an Musik, Neuen Medien und digitaler Kultur.

Buch: Janko Röttgers, Mix, Burn & R.I.P. - Das Ende der Musikindustrie, Erschienen im Heise Verlag, 2003, Preis: 16 Euro