Services! Visit:
terradigitalis.net

<< Zurück zur Übersicht


Willkommen auf terradigitalis.
Ihren gewünschten Artikel finden Sie hier:

2004 terradigitalis.net | das kritische Online-Magazin für Kommunikation



Weitere Suchwörter:
Die syrische Braut | eran riklis | interview | Film | 2004 | Syrien | Israel | Drusen | Libanon | Golan | boxfish films | Grenzen | Grenzerweiterung | Blockaden | Heirat | Familienehre | Tradition | Amal | Mona | Hammed | UNO - Blauhelme | Niemandsland | Filmregisseur | Filmproduktion | arabisch | hebräisch | englisch | französisch | metaphysich |

2004 terradigitalis.net | das kritische Online-Magazin für Kommunikation


Fakten zum Film "Die Syrische Braut":

Israel, Deutschland, Frankreich,

2004

, 35 mm, Farbe, 97 Minuten

Darsteller: Hiam Abbass, Makram J. Khoury, Clara Khoury, Ashraf Barhoum, Eyad Sheety sowie Evelyne Kaplun, Julie – Anne Roth, Adnan Trabshi,Marlene Bajjali, Uri Gabriel, Alon Dahan, Derar Sliman, Ranin Boulos, Hanna Abou – Manneh, Robert Hoenig, Maisra Masri
Regie: Eran Riklis
Drehbuch: Suha Arraf und Eran Riklis
Kamera: Michael Wiesweg
Musik: Cyril Morin
Schnitt:Tova Asher
Ton:  Ashi Milo
Szenenbild: Avi Fahima
Kostüm: Inbal Shuki
Produktion: Neue Impuls Film (Deutschland), Eran Riklis Productions Ltd. (Israel), MACHT Productions (Frankreich)
Mehr: http://www.diesyrischebraut.de


Der Regisseur:

<h12004 src="/images/riklis.jpg"> Eran Riklis, geboren 1954, begann 1975 Filme zu drehen (seine Leidenschaft für den Film wurde jedoch bereits viel früher geweckt). Sein erster Spielfilm „On a clear day you can see Damascus“ ist ein politischer Thriller, den er nach seinem Abschluss an der National Film School in Beaconsfield realisierte. „Die Syrische Braut“ ist Riklis’ bislang ambitioniertestes Projekt, das ab März 2005 in die deutschen Kinos kommt.


Der Filminhalt:

Die Golanhöhen: Syrisches Territorium, seit dem 6–Tage-Krieg 1967 von Israel annektiert. Neben den israelischen Siedlern leben auf dem Golan vor allem die Drusen, die größtenteils nach Syrien orientiert sind. Hier liegt der Ort Majdal Shams. Hier lebt die Familie von Mona. Mona ist die jüngere Tochter eines Funktionärs der Drusen, welcher lange Zeit in Israel wegen seiner prosyrischen Haltung inhaftiert war. Monas Hochzeitstag steht bevor. Für die junge Frau ein radikaler Wendepunkt in ihrem Leben, da sie aus politischen Gründen mit ihrer geliebten Familie brechen wird, um auf „die andere Seite der Grenze“, nämlich nach Syrien zu heiraten. Ihr Bräutigam wird ein entfernter Verwandter, der syrische TV–Star Tallel, sein. Einmal nach Syrien eingereist, wird Mona jedoch nie wieder israelischen Boden betreten können. Sie muss sich also für immer von ihrer Familie verabschieden. Aus diesem Grund kommt noch einmal Monas weit verzweigte Familie zusammen: Vater Hammad, auf Bewährung frei. Schwester Amal, nicht gerade glücklich mit ihrer eigenen Familie, die – noch – im selben Ort wohnt und sich heimlich für ein Studium in Tel Aviv bewirbt. Dazu der jüngste Bruder, der geographisch am nächsten wohnt, doch als Soldat in der syrischen Armee am Unerreichbarsten ist und sich an der Grenze nur per Megaphon mit seiner Familie verständigen kann. Dann erscheint Marwan, der mittlere Bruder, der in Italien halbseidene Import/Export–Geschäfte betreibt und neben vielen anderen Frauen auch mit der jungen Französin Jeanne liiert ist, die als Rote Kreuz- Mitarbeiterin am Tag der Hochzeit die Dokumente der Braut im Niemandsland zwischen Israel und Syrien hin und her transportieren soll. Und eigentlich nichts mehr von ihrem Ex Freund Marwan wissen will.

Ihrem Vater Hammed wiederum wird vom Ältestenrat der Drusen verboten, sich seinem ältesten Sohn Hattem, einem Anwalt, zu nähern, der extra aus Moskau mit seiner russischen Frau Evelyna, einer Ärztin und dem gemeinsamen kleinen Sohn einreist. Nach Drusischem Brauch gilt Hattem als Verstoßener, da er keine drusische Frau heiratete. Der Enkel will natürlich seinen Großvater sehen, der dieser Situation kaum gewachsen ist, ja fast zerreißt vor Familienehre und politisch–religiösem Pflichtgefühl. Kurz vor der Hochzeit findet eine Demonstration für den jungen syrischen Präsidenten Baschr Al-Assad (Al Assad = Der Löwe) statt, der gerade die Nachfolge seines verstorbenen Vaters Hafiz antritt und eine flammende patriotische Rede hält. Beäugt von der israelischen Polizei riskiert der Vater, welcher auf Bewährung frei ist, erneut inhaftiert zu werden. Oder er bricht mit der Tradition seiner Gemeinde und wird genauso vom Ältestenrat verstoßen, wie sein ältester Sohn. Hammeds Erzfeind, der israelische Polizeioffizier Simon trifft auf der Demonstration natürlich prompt auf den ehemaligen Häftling.

Amal, die ältere Tochter Hammeds ist die zentrale Figur der Geschichte, die sich durch die Hochzeit ihrer Schwester auch mit den eigenen Sehnsüchten konfrontiert sieht: Zwar sieht Mona, die ihren Mann nur aus dem Fernsehen kennt, einer unbestimmten Zukunft entgegen. Doch immerhin kann sie mit dem neuen Leben in Syrien der Strenge drusischer Tradition und der Enge der israelischen Besatzung entfliehen. Amal selbst hat in ihrem Leben immer wieder zurück stecken müssen und streitet sich permanent mit ihrem konservativen Mann Amin, der im Gegensatz zu den gemeinsamen Töchtern noch gar nichts von ihrem Studienplatz in Tel Aviv weiß......

> zum Interview (nächste Seite)

2004 terradigitalis.net | das kritische Online-Magazin für Kommunikation


Das Interview: "Je Lokaler ein Mensch gezeigt wird, desto universeller wirkt sein Wesen" (Eran Riklis)
 
Daniel Khafif: Eran Riklis, wie kam es zu der Idee, diesen Film an der syrisch–israelischen Grenze, auf dem Golan spielen zu lassen?

Eran Riklis: Meine Affäre mit der „Syrischen Braut“ begann 1980 in einer kalten, verregneten Winternacht in London. Mein Kollege Gabriel Beristain (sein Vater hatte als mexikanischer und kommunistischer Revolutionär in den Filmklassikern von Luis Buñuel mitgespielt) und ich waren als Studenten der Internationalen Filmakademie in Beaconsfield mit der Vorbereitung meines Abschlussfilmes beschäftigt. Ich las gerade ein Buch von Ran Adelist über Uri Adiv, dessen Name ein nationales Trauma für Israel bedeutete und dessen Schicksal irgendwie in Vergessenheit geraten war: Es ist die Geschichte eines ehrenwerten Mannes, der aus ideologischen Gründen der Spionage für Syrien angeklagt wird. „Das ist eine fantastische Geschichte, das müssen wir sofort umsetzen“, sagte er. Die ersten Worte auf meiner alten Remington – Schreibmaschine lauteten: „An klaren Tagen kann man Damaskus sehen“. Dies wurde auch der Titel meines ersten Langfilms, ein politischer Thriller. Bis dahin musste ich viele Jahre schwieriger Produktion hinter mich bringen und hatte noch einiges zu lernen. Wir drehten unter Granatbeschuss auf den Golanhöhen, ich hatte enorme Geldnöte und machte persönliche Krisen durch – die Naivität brachte mir aber Willensstärke und Liebe zum Kino ein, ebenso wie die Leidenschaft, der Welt eine Botschaft zu übermitteln. Ich erzähle Ihnen das deshalb alles, damit Sie wissen, wann und warum meine Liebesaffäre mit der „Syrischen Braut“ ihren Anfang nahm.

Die Geschichte hat in jeder Hinsicht also einen langen Ursprung. Würden Sie sagen, die „Syrische Braut“ ist bis jetzt DAS Lebenswerk in Ihrem Schaffen?

Nun, auf meiner jahrzehntelangen filmischen Reise – ich bin mittlerweile über 50 Jahre alt – habe ich stets versucht, mir selbst und meinen Prinzipien treu zu bleiben und nicht dem Totalausverkauf anheim zu fallen, was mir leider nur teilweise gelungen ist. Ich wollte immer ein Kino machen, das etwas aussagt über uns, unsere Umwelt und über unser Engagement, menschliche, soziale und politische Prinzipien zu wahren. „An klaren Tagen kann man Damaskus sehen“ ist ein Satz mit der einfachen Aussage: Wenn man nur den Willen dazu aufbringt, ist es möglich, über die Grenzen zu schauen, sei es physisch, mental oder emotional – und damit den anderen oder das andere in einem anderen Licht zu sehen. Dass meine Reise zur „Syrischen Braut“ mehr als 20 Jahre nach Damaskus nun an meine alten geographischen und emotionalen Sichtweisen anknüpft, erfüllt mich mit Freude. Vielleicht war die lange Zeit auch gut für den Film, denn mittlerweile bin ich älter, realistischer und vielleicht auch ein bisschen klüger, zumindest hoffe ich das.

Sie scheinen mit Sicherheit nicht Verbittert oder Enttäuscht, eher voller Hoffnung, soweit ich das als Zuschauer beurteilen kann. Sie sprechen vom „Anderen“ - Wer ist „Der Andere“?

Der Andere ist der „Feind“, den wir von klein auf angehalten wurden zu hassen oder vor dem wir uns wenigstens in Acht nehmen sollten. Doch wenn man sich öffnet, entdeckt man das Potenzial für Freundschaften und eine Zusammenarbeit, die beiden Seiten nützt.

Gerade in der Schlussszene des Filmes, wo nahezu nichts mehr zu einer glücklichen Heirat möglich scheint, zeigen Sie dem Zuschauer, wo die eigentlichen und einzigen Grenzen sind…

…im Kopf. Und nur da! Die physische Grenze symbolisiert nur eine mentale Grenze – und das Leben ist voller Grenzerfahrungen: Man ist mit Grenzen konfrontiert, man überschreitet sie und man muss die Konsequenzen dieser Handlungen tragen. Am Grenzübergang zwischen Syrien und Israel muss die Heldin eine Blockade durchbrechen, nicht nur die rein physische Blockade, eine Staatsgrenze zu überschreiten. Es geht darum, daß Sie sich in diesem Moment von ihrer Vergangenheit lösen muss. Sie muss in diesem Moment nach vorne blicken, ohne Reue. Und schon freuen sich alle Beteiligten für Sie. Und Sie freut sich auch. Wie schwer scheint es den Menschen, ihre Mundwinkel nach oben zu heben und zu lächeln. Wie erleichternd ist dann das Lächeln…

Fiel es Ihrem Filmteam, allen voran den Schauspielern, schwer diese entwaffnende Leichtigkeit zu spielen?

Ja und nein: Vom Herzen her haben Sie alle – und damit meine ich alle – die Thematik und die Botschaft sofort begriffen. Sobald ein jeder das wunderbare Drehbuch von Suha Arraf, einer Palästinenserin übrigens, las, hatte ich es mit ungestümem Tatendrang zu tun. Schwierig war eher die Umsetzung, da ein Jeder fast schon zu bemüht war, den richtigen Ton, die richtige Einstellung, die richtige Mimik, die richtige Sprache zu treffen, das war beinah behindernd – ich glaube, als Filmregisseur träumt man von so einem Team. Das ist kein Verkaufsblabla. Das ist die Wahrheit!

Ihr gesamtes Filmteam stellte sich als bunte Mischung dar. Gab es da Schnittpunkte mit dem Filmthema?

Aber natürlich! Gerade bei Hiam Abbas, die die ältere Schwester Amal spielt, aber auch Makram Khoury, der Hammad spielt. Hiam: arabische Familie, israelischer Pass, hebräische, französische und arabische Sprache, dominante Persönlichkeit, im Ausland aufgewachsen – sie verkörperte die Rolle der Amal geradezu. Sie traute sich, auszubrechen und schwamm gegen manchen Strom, fand einen algerischen Mann und ging mit ihm nach Paris. Sie übernimmt die Rolle eines Mannes. In einem Satz aus einer früheren Drehbuchversion sagt ihr Vater zu ihr: „Hammeds Tochter weint nicht. Hammeds Tochter ist ein Mann.“ Doch Amal sucht ja ihre Erlösung als Frau und nicht als Mann. Diese Erlösung erwartet Sie gegen Ende des Films. Die Frage ist, ob es Erlösung gibt in diesem Leben.“

Es heißt, die Erlösung findet man nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen.

Richtig. Wir blockieren uns ja alle nur gegenseitig, weil wir vom Verstand her handeln. Unser Verstand ist aber nicht nur die Summe äußerlicher Erfahrungen, sondern auch ein Teil dessen, was unsere Seele will. Wir ignorieren nur ständig unser Herz, unsere Seele. Das führt dann zu Blockaden und zu Verbitterung. Wir dürfen nicht an Vergangenem festhalten, sondern müssen loslassen. Sonst stehen wir immer nur innerhalb unserer festgesteckten Grenzen herum und beleiben unglücklich, weil es dort nicht weitergeht. Das gilt für die Staatsgrenzen genauso wie für Familientraditionen und gesellschaftliche Verhaltensmuster.

2004 terradigitalis.net | das kritische Online-Magazin für Kommunikation


Ist die syrische Braut auch aufgrund der traditionellen Blockaden ein Film über Emanzipation?

Der ganze Film handelt von Emanzipation: Nicht nur Amal muss sich gegenüber ihrem Mann emanzipieren, auch der Vater, Hammad, muss einen Weg zwischen politischer Haltung und Familienwerten finden. Ebenso die Braut, die sich nur über die Heirat weiterentwickeln kann. Jeder muss sich in seinem Leben entwickeln. Entwicklung findet jedoch nur über Erneuerung statt. Und Erneuerung fordert automatisch das Loslassen vom Alten. Das ist schmerzvoll. Die Geburt ist Schmerzvoll. Der Tod ist es manchmal auch. Doch beides ist notwendig, um Leben voran zu bringen.

Das klingt sehr metaphysisch.

Ist es aber nicht. Es ist das Leben, das wir alle führen.

Haben Sie aus Gründen des „Erlöser–Gedankens“ den Spielort für „Die Syrische Braut“ deshalb bei den Drusen angelegt, die ja als sehr alter Abzweig des frühen, mystischen Islams die Reinkarnation, also die Seelenwanderung nicht in religiöser Spekulation diskutieren, sondern als eines der Standpfeiler ihres Glaubens verteidigen?

(lacht) Sehen Sie, das ist eher ein gewollter Zufall: Die Drusen leben nun mal seit Jahrhunderten auf dem Golan. Ihre Lehre der Seelenwanderung widerspricht in der Tat den Prinzipien des sunnitischen Islam. Ihre Ablehnung des Propheten Mohammed und die Ansicht, daß der Koran keine absolute Offenbarung sei, setzen die Drusen von allen anderen Richtungen des Islam ab. Fast könnte man von einer eigenständigen Religion und nicht einem Abzweig des Islam sprechen. Die Ironie der Geschichte will es, daß die solchermaßen sehr revolutionär denkenden Drusen oft verfolgt wurden und sich immer wieder zur Wehr setzen mussten und heute eben sehr konservativ, eigenbrötlerisch und traditionalistisch geworden sind…

… was dem eher laizistischen Kurs der Assad – Dynastie in Syrien ja widerspricht…

…ja. Doch treffen sie sich in ihrem national betonten Pathos wieder. Auch hier haben wir ein Nebeneinander von Widersprüchen, die dennoch funktionieren.

Wurde der Film in arabischen Ländern gezeigt?

Also, auf dem Filmfestival in Marrakech wurde der Film dem marokkanischen Publikum gezeigt. Mit guter Resonanz: Die Menschen sehen einfach: Ein Vater ist ein Vater, mal streng mal nicht und eine Tochter ist eine Tochter, das ist universell.Wir versuchen den Film natürlich auch, in weiteren arabischen Ländern zu zeigen. Das wird kommen, ist aber gegenwärtig noch nicht erfolgt. Der Film ist ja völlig unpolitisch.

Genau das macht ihn ja politisch.

Und da haben wir wieder die Widersprüchlichkeit: Jedes US–amerikanische Kriegsdrama können Sie in Kairoer wie Tel Aviver Kinos sehen. „Die syrische Braut“ dagegen, die ja lediglich den Hintergrund einer Familiengeschichte zeigt, müssen Sie erst einmal durch die Zensur bekommen.

Hatten Sie denn in Israel auch Probleme mit dem Film?

Nein, nicht wirklich. Es gab ein paar Bedenken wegen der recht rüde dargestellten israelischen Polizei. Aber so ist nun einmal die Situation. Das Publikum in Israel jedenfalls hat die „Syrische Braut“ geliebt.

Könnten Sie sich vorstellen, die „Syrische Braut“ auch in Syrien zu zeigen?

Und wie ich mir das vorstellen möchte. Die Syrer sind doch berühmt für ihren derben Humor. Wunderbare Menschen, die gerne lachen. Sie werden den Film lieben, da bin ich mir sicher. Gleichwohl mache ich mir keine Illusionen, daß der Film nicht so schnell in Syrien aufgeführt werden wird, selbst, wenn er den Politikern dort gefallen mag. Das ist einfach das Dilemma mit den Grenzen…

Ich denke, alle Grenzen werden brechen, Sie befinden sich in Berlin.

Ja, schwupps, ist die Mauer weg und alle fragen sich, was das für ein blödes Gebilde war. Und nun bauen wir so ein Ding auf.

Aber wie lange? Fühlen Sie sich eigentlich als Israeli oder als Engländer oder als Amerikaner oder als was?

Ach, das kann ich gar nicht richtig beantworten. Sicherlich bin ich meinen jüdischen Wurzeln irgendwie verbunden, das ist ja klar. Aber ich fühle mich auch als Weltbürger, selbst wenn das heutzutage abgedroschen klingen mag. Ich habe lange Jahre in vielen Ländern gelebt, England, USA und sonst wo. Ich lebe in Israel und ich bin erst einmal ein Mensch.

Stört es Sie, gerade vor dem Hintergrund der Nahost–Thematik, dass Sie als israelischer Filmregisseur immer wieder mit politischen Fragen konfrontiert werden?

Das geht mir ähnlich wie meinen palästinensischen Kollegen: Es ist so, ich bin Filmregisseur. Und natürlich möchte ich zuallererst über meine Arbeit befragt werden, vor allem, weil ich mich bemühe, möglichst effizient und diszipliniert zu arbeiten. Gleichwohl mische ich natürlich politische Themen in meine Arbeit ein: Siehe „Die syrische Braut“. Das lässt sich ja in Israel oder Palästina kaum vermeiden. Sie können ja kaum Außenaufnahmen ohne politische Graffiti oder Militärfahrzeuge hinbekommen, wenn Sie im Alltag drehen. Natürlich wird man dann zur Politik befragt. Ich bin aber kein Politiker und darum beantworte ich keine Fragen stellvertretend für diese oder jene Regierung. Ich möchte viel lieber daran arbeiten, eine andere Wahrnehmung abzubilden. Das kann ich viel besser.

Fühlen Sie sich als eine Art Botschafter?

(lacht) Botschafter! Das habe ich heute schon öfter gehört. Ja, vermutlich bediene ich auch die Rolle eines Botschafters, schon alleine deshalb, weil ich ja Botschaften aussende, indem ich Filme drehe, Drehbücher verfilme. Aber jeder ist ein Botschafter: Unsere Haltung, unsere Herkunft, unsere Arbeit, unsere Lebensstationen machen uns unweigerlich überall zu Botschaftern. Bestimmt sind Menschen des Nahen Ostens derzeit ständige Botschafter, egal, ob Sie Filme drehen, Brot backen oder Romane schreiben: Sie werden immer wieder mit ihrer Haltung im Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis befragt werden. Daran gewöhnt man sich. Umso wichtiger ist es, zu zeigen, daß es auch einen beiderseits normalen Alltags, mit ganz anderen Ängsten und Nöten wie dem ersten Kuss, Krankheit oder Ausbildung gibt. Sicherlich ist dieser Alltag von dem Konflikt überlagert: Verwandte sterben bei den tödlichen Folgen des Konflikts,  Reisen von der einen zur anderen Seite ist schwer, wenn nicht unmöglich und die jungen Palästinenser sind im Konflikt zwischen eigenem Leben, Ausbildung und Berufswünschen einerseits sowie nationaler Identität, territorialer Existenz und Familienehre andererseits einer ganz anderen Art von innerem Konflikt ausgesetzt als junge Israelis, die quer durch die Welt reisen und nun unangenehme Fragen zur Nahostpolitik zu überstehen haben. Da haben wir den ewigen Kreislauf von Opfer – Täterhaltung, die die eine und die andere Seite zur Legitimation für weitere Taten nutzt. Und Im Alltag haben wir die Chance, ein Leben fern der Politik zu vollbringen.

Werden Sie auch in Zukunft ähnliche Filme wie die „Syrische Braut“ drehen oder steht Ihnen nach diesem Werk nun der Sinn für etwas gänzlich Neuem, wie einem Actionfilm zum Beispiel?

Also, ich kann mir durchaus alles mögliche, andere Genres, andere Inhalte vorstellen und sehne mich auch nach neuen Aufgaben, aber gleichzeitig denke ich, daß diese leidenschaftliche Haltung, die mir innewohnt, nicht aufgeben werde, kann und will, was bedeutet, daß ich sicherlich weiterhin Filme mit „grenzerweiterndem“ Inhalt drehen möchte, egal, wo und wann. Da bin ich wohl doch ein Botschafter…

Sie sind also voller Hoffnung für eine friedlichere Zukunft?

Aber natürlich bin ich das. Keine Blockade! Warten wir einfach ab!

Eran Riklis, vielen Dank für dieses Gespräch.